LANG:
Innovative knownledge into practical measures
Results
Das Triathlon-Research Team bedankt sich und freut sich über die große Teilnahme an der Online-Studie. Dank eurer Mithilfe ist die weltweit größte Langdistanztriathlon-Studie entstanden. Die ausgezeichnete Qualität der Daten der TeilnehmerInnen macht eine sinnvolle und aussagekräftige statistische Auswertung möglich. Vielen Dank für eure Unterstützung!
Unter diesem Link wird ein Teil der Auswertungen der verwertbaren Online-Fragebögen veröffentlicht. Wir bitten um Verständnis, dass vorerst aufgrund des Schutzes der eigenen Daten nur Daten bezüglich Triathlontraining preisgegeben werden können.
Überblick über die Ergebnisse
Es haben 1159 TeilnehmerInnen aus 43 Nationen teilgenommen, wobei Österreich durch 222 AthletInnen vertreten wird. Die 15 % der weiblichen StudienteilnehmerInnen spiegeln auch die durchschnittliche Anzahl weiblicher Starterinnen an Langdistanztriathlon-Veranstaltungen wider. Die AthletInnen werden in Leistungsklassen eingeteilt, wobei 14 % der high-performance Klasse (<10h), 68 % der middle-performance Klasse (10-13h) und 18 % der Athleten der low-performance Klasse (>13h) zugeordnet sind. Die angeführte Tabelle stellt die Werte eines weiblichen und männlichen Durchschnitts-Langdistanztriathleten dar.
Obwohl das Starterfeld eines Langdistanztriathlons klar vom männlichen Geschlecht dominiert wird, zeigt sich, dass die „Ironwomen“ eindeutig mehr als ihre männlichen Kollegen „hackeln“. Die Frauen sind sowohl im disziplinenspezifischen Training (Trainingsumfänge) als auch im Kraft- und Beweglichkeitstraining fleißiger. Einzig im Radtraining und bei der Anzahl der Laufkilometer ist lediglich eine Tendenz erkennbar.
Bezüglich der Trainingsgewohnheiten möchten wir auf ein interessantes Faktum hinweisen. Obwohl der Langdistanz-Triathlonsport höchste Anforderungen an den passiven Bewegungsapparat und dessen Stützfunktion stellt, ignorieren nahezu 50 % der befragten SportlerInnen Formen von Ausgleichs-, Stabilisations- und Kräftigungsübungen im Trainingsplan. Die andere Hälfte der befragten AthletInnen führt diese im Durchschnitt weniger als einmal pro Woche durch. Das essentiell wichtige Stabi-Training der Becken- bzw. Beinmuskulatur (Beinachsentraining) wird von den Herren der Schöpfung mit nur 0,4 Mal pro Woche vernachlässigt.
Nur 50 % der befragten TriathletInnen haben jemals ein von einem ausgebildeten Trainer oder einer Trainerin durchgeführtes Schwimmtechniktraining- bzw. sogar nur 20 % ein professionelles Lauftechniktraining absolviert. Am häufigsten wird eine Trainingsplanung durch einen Radtrainer in Anspruch genommen.
Gut die Hälfte der SportlerInnen weist einen Paddles-Anteil beim Schwimmtraining von bis zu 20 % auf. Meistens werden diese Einheiten durch einen Pull-Boy ergänzt. Eine statistische Tendenz ist zwischen dem Einsatz von Paddles und Pull-Boy und dem Auftreten von Schulterbeschwerden erkennbar. Schulterbeschwerden (20 %) gefolgt von HWS- und Ellbogenproblemen (2,5 %) sind die häufigsten schwimmassoziierten Beschwerdebilder. Zusätzlich werden bis zu 10 % der befragten SportlerInnen immer wieder von Fußpilz (10 %), chronischem Schnupfen (9 %) oder Chlorallergie (9 %) geplagt.
Beinahe jeder Sportler (90 %) glaubt, ein optimal an seine Größe angepasstes Rennrad zu haben und verwendet regelmäßig einen Aero-Lenker. Die häufigsten radassoziierten Verletzungen sind traumatischer Natur, wobei Prellungen/Verstauchungen an Schulter und Hüfte knapp 10 % ausmachen, gefolgt von Schlüsselbeinbrüchen (4 %) und Fingerfrakturen (3 %). Interessant ist auch, dass 16 % der Männer und 32 % der Frauen Probleme im Genitalbereich haben. Bei den durch Radfahren hervorgerufenen überlastungsbedingten Beschwerden sind Wirbelsäulenprobleme am häufigsten (HWS 30 %, LWS 35 %) zu finden. Die Daten zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen weiblichem Geschlecht und dem Auftreten von Wirbelsäulenproblemen (HWS 50 %). Die Wirbelsäulenbeschwerden treten meist im Training auf, diese sind jedoch durch die wesentlich höhere Anzahl an Trainingsstunden verglichen zur Wettkampfzeit zu erklären. Obwohl sich nahezu die Hälfte aller an Wirbelsäulenproblemen leidenden SportlerInnen keiner Behandlung unterziehen, können etwa 70% der befragten AthletInnen ihr Training nach drei Tagen Pause wieder aufnehmen.
Bezüglich Beschwerden beim Lauftraining sind hier traumatische Verletzungen beinahe zu vernachlässigen, da laufassoziierte Probleme fast immer, wie auch diese Studie zeigt, durch Überbeanspruchung entstehen. 34 % der befragten AthletInnen haben mindestens einmal Achillodynie, gefolgt von 29 % mit Schmerzen hinter der Kniescheibe (Runner´s knee) sowie 28 % mit Schmerzen am äußeren Knierand (Iliotibiales Band Syndrom). Unter Problemen an der Fußsohle (Fasciitis plantaris) leiden 14 % und 4 % an Stressfrakturen der Mittelfußknochen. Statistisch signifikante Zusammenhänge können unter anderem zwischen dem Vorhandensein von Beinlängendifferenzen, Achsabweichungen im Sprunggelenk, suboptimalem Schuhmaterial, höherem Alter, weiblichem Geschlecht, hohem Trainingsumfang sowie dem Vorhandensein präexistenter Verletzungen und dem Auftreten von diesen Verletzungen festgestellt werden.
Der Großteil der betroffenen SportlerInnen bevorzugt den Besuch beim Physiotherapeuten bzw. beim Masseur gegenüber anderen Behandlungsoptionen. Etwa die Hälfte der an Knieproblemen leidenden AthletInnen kann nach etwa einer Woche das Training wieder aufnehmen. Probleme an der Achillessehne erweisen sich jedoch als langwieriger. Nahezu 2/3 der Sportler mit Achillodynie können ihr gewohntes Training nach einer Woche Trainingspause nicht wieder schmerzfrei aufnehmen.