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Innovative knownledge into practical measures
2nd ITU Science and Triathlon World Conference in Magglingen
Von 7. bis 9. Februar traf sich die Creme della Creme des Triathlonsports bei der 2nd ITU Science and Triathlon World Conference in Magglingen, im Hoheitsgebiet der Swiss Olympics.
Das Triathlon-Research Team war mit zwei Poster-Präsentationen und einem Vortrag der einzige aktive Vertreter Österreichs.
Die lockere, familiäre Atmosphäre, die den feinen Zwirn schnell in den Kleiderschrank verschwinden ließ, verbunden mit der professionellen Organisation unserer Schweizer Eidgenossen, allen voran Adrian Burgi und Grègoire Millet, machten diese drei Tage zu einem echten Erlebnis. Nicht nur die geselligen Abendstunden mit einer Fackelwanderung auf eine Waldhütte mit anschließendem Schweizer Käsefondue, sondern auch die Mischung und Qualität der Vorträge trugen dazu bei. Einblicke und Vergleiche zu Langlauf, Biathlon und den Schwimm-, Rad- und Laufspezialisten wurden den Teilnehmern ebenso ausreichend gegeben und zeigten neue Möglichkeiten, sowie Parallelen zum Triathlonsport auf. Den Anfang bei den Vortragenden machten die beiden Trainer der Brownlee Brüder Malcom Brown und Jack Maitland. Vielleicht besser: Sie berichteten einiges über das soziale Umfeld der Athleten und des Teams und gaben allgemeine Informationen über das Training der Brownlee Brüder bekannt – Top News oder tiefere Einblicke in die Geheimnisse des Trainings und des Erfolgs sind dem aufmerksamen Zuhörer allerdings verwehrt geblieben. Neben dem Vortrag vom spanischen Top-Trainer, u.a. von Eneko Llanos und Tapering-Experte Iñigo Mujika zählte jener vom anerkannten kanadischen Physiologen Kerry Stephen Seiler zu den Besten. Seine aufwändigen und beeindruckenden Studien über Weltklasseathleten im Triathlon und anderen Sportarten bezüglich bereits bekannter sowie auch neue Kenntnisse im Bereich der Physiologie und Trainingslehre regten einige Trainer zum Nachdenken an. Seine Ergebnisse zeigten, dass fast alle Topathleten nicht nur im Triathlonsport sondern auch in weiteren Ausdauersportarten das polarisierte Training anwenden. Dabei werden vorrangig ganzjährig im Grundlagenbereich und nur geringe Prozentsätze im roten Bereich trainiert. Hans-Christer Holmberg, Professor an der Uni in Östersund und Direktor des schwedischen Wintersport-Forschung-Zentrums und zuständig für Forschung und Entwicklung beim schwedischen olympischen Komitee, zeigte neue Untersuchungs- und Überprüfungsmethoden von nordischen Athleten auf und vermittelte physiologische Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Triathlonsport. Jürgen Wick, der deutsche Biathlon-Experte, erklärte die letzten Veränderungen und die weiteren Schritte im Biathlonsport, die Ideen und Anregungen für die Vermarktung des Triathlonsports aufkommen ließen. Bei einem abendlichen Gerstensaft diskutierten wir über die österreichischen Biathleten und deren „Problemchen“. Wick nannte mir die Krankheitswelle letztens Jahres, aber besonders hob er die Problematik der Zweilagerkluft unserer Biathleten hervor. Olivier Aubel, Senior Lecturer an der Uni Lausanne, referierte über die aktuelle Situation des Profi-Radsports. Er veranschaulichte dort auftretende Probleme und mögliche Strukturveränderungen, um ihn wieder „sauberer“ zu machen und dessen Image im internationalen Sport und in der Gesellschaft zu verbessern. Er bemerkte dazu, dass sich dies definitiv aufgrund der beschriebenen Haltung der Involvierten und Verantwortlichen schwierig gestalten wird! ITU Sport Direktor Markus Gergely präsentierte neuen methodischen Überlegungen und Pläne im Triathlonsport, wobei besonders der Teambewerb, dem in Zukunft besonders Gewichtung beigemessen wird, stark diskutiert wurde. Auch die Gründe für die neue Radstrecke bei der Worldcup-Station in Kitzbühel wurden in diesem Zusammenhang erklärt.
Des Weiteren sprach Steve Ingham über den Sinn und die richtige Anwendung von Regenerationsmöglichen und -strategien. Dabei wurde klar, dass Kältebäder, Massagen, etc. … während eines Trainingsblockes nicht unbedingt sinnvoll sind, da dem Körper die Möglichkeit der Gewöhnung und Anpassung an die Belastung (Laktat) genommen wird. Vor Wettkämpfen, wo kein Aufbau sondern nur mehr der Erhalt bzw. Regeneration eine Rolle spielt, scheint die Anwendung sinnvoll zu sein.
Der Schweizer Adrian Burgi veranschaulichte anhand seiner Studie die Karriereentwicklung der Top 30 männlichen und weiblichen Athleten letzten Jahres. Unterschiedlichste Werdegänge, vor allem zwischen Männlein und Weiblein, sind auffällig. Jedoch gaben fast alle dieser Athleten an, dass sie von einem Triathlontrainer und nicht von Spezialtrainern trainiert wurden! Thomas Moeller, Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (Leipzig) und seines Zeichens auch Bundesnachwuchstrainer, zeigte wie die Talentfindung und -förderung in Deutschland sowie dessen Strukturen und Förderungsmodelle funktionieren. Der australische Startrainer Darren Smith gab einen Einblick darüber, wie er sich einen Trainer vorstelle und wie sein eigenes Training aussieht: Keine Bevorzugungen und Ausnahmen von Athleten, keine Laktatkontrollen sondern Pflege der Harmonie und der Kraft innerhalb seiner Mannschaft. Außerdem liegt sein Hauptaugenmerk auf der Beobachtung der Athleten während des Trainings bei jeder Witterung. Als ehemaliger Trainer von Andi Giglmayr plauderten wir über den Triathlonsport in Österreich und über das (Fingerspitzen)Gefühl und Trainerauge, das er über alle physiologischen Leistungsparameter stellt! Der Erfolg gibt ihm Recht! Interessant war auch das Gespräch mit dem russischen Biomechaniker, der mir seine persönlichen Ansichten über das Laufen erklärte.
Schön zu sehen war auch, dass drei Tage lang jedem Vortragenden von allen Teilnehmern größte Aufmerksamkeit geschenkt wurde und keiner der Startrainer und –experten vor der Schlusszeremonie den Kongress verließ. Wünschenswert wäre, wenn beim dritten ITU Kongress mehr aktive Teilnehmer Österreich repräsentieren würden!
Schön zu sehen war auch, dass drei Tage lang jedem Vortragenden von allen Teilnehmern größte Aufmerksamkeit geschenkt wurde und keiner der Startrainer und –experten vor der Schlusszeremonie den Kongress verließ. Wünschenswert wäre, wenn beim dritten ITU Kongress mehr aktive Teilnehmer Österreich repräsentieren würden!
Presentations